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Der Grosspudel
Es mag heute erstaunlich anmuten, daß der Pudel, der uns nur noch als Modehund bekannt ist, zur Begründung einer Jagdhundrasse (Pudelpointer) Verwendung gefunden hat.
Denn nur wenige Zeitgenossen werden wissen, daß der große, kraushaarige Pudel (Königspudel) ursprünglich ein vorzüglicher Jagdhund war und bis in das vorige Jahrhundert mit bestem Erfolg geführt wurde. Besonders gerühmt wurden seine Stöber- und Wasserpassion, sein Spurwille und Spurlaut, seine Apportierlust und Verlorenbringerfähigkeit, seine Raubwildschärfe, Intelligenz und Lernfähigkeit.
Ja, er galt als der intelligenteste aller Hunde
Ursprung des Grosspudels: zotteliger Hütehund und Wasserjagdhund, Jagdhund, Apportierhund
Schulterhöhe bis max 62cm/ keine Unterwolle / muss regelmässig gebürstet, gekämmt und geschoren werden (aber nicht ohne Grund gebadet!) FCI-Standard
Grosspudel haaren nicht und sind für viele Allergiker geeignet (nicht für alle!)
Der Grosspudel ist ein intelligenter Begleiter im Leben und bei der Arbeit. Er ist wachsam ohne ein Kläffer zu sein.
Der Grosspudel ist für ‘Arbeit’ auch ohne hochgepushten Beutetrieb zu begeistern und bleibt so ein ausgeglichener Hund.
Grosspudel sind deutlich und klar in ihrer Körpersprache und stellen sich auch sehr gut auf ihre Menschen ein. Um das nicht über die Maßen zu strapazieren ist, wie bei jedem Hund, ein Minimum an Kenntnis über die Ausdrucksweise und Grundbedürfnisse des Hundes gefragt. Vermenschlichung der Sprache führt zu Missverständnissen und überflüssigem Stress ;-)
Ebenso erzeugt Druck und Gewalt nur Stress beim Hund. Ihr Grosspudel wird erfahrungsgemäss alles was sie ihm in Ruhe, hundegerecht erklären begeistert mitmachen.
Wenn man ihn lässt, wird er seinen ganz speziellen Charakter zeigen und ausleben.
Schon vor hunderten Jahren fiel er mit diesem speziellen Charakter offensichtlich auf :-)
Arthur Schopenhauer (1788-1860), einer der ersten Buddhisten Europas und Anhänger Platons hielt sich zeitlebens einen Pudel. Dessen Name war immer Atman, dem Sanskrit-Wort für Lebenshauch, Atem, in der Tradition der Upanishaden die Essenz des Selbst, bzw. die Einzelseele als Teil des Brahman, der „Weltseele“. Meistens rief er die Hunde bei ihrem Spitznamen „Butz“. Wenn ein Hund starb, was etwa alle 10 Jahre vorkam, erwarb er jeweils einen ähnlich aussehenden Pudel und nannte ihn ebenfalls Butz. Schopenhauer war der philosophischen Auffassung, dass jeder Hund gleichzeitig jeden anderen Hund enthalte. Für Menschen galt ihm sinngemäß das Gleiche.
Und hier noch einige Zitate des Schweizers (Peter Scheitlin, 1840 ), der diese Hunde so liebevoll beschreibt:
Der vollkommenste Hund ist der Pudel, und was Gescheites und Braves am Hunde gerühmt wird, bezieht sich vereint auf ihn.
---- Sehr artig ist zu sehen , wie er seinen Herren sucht. Er läuft mit gesenktem Kopfe die Strasse lang, steht still, besinnt sich, kehrt wieder um, bleibt an der andren Ecke der Strasse wieder still stehen, denkt mehr, als er schaut, beschreitet Diagonalen, um schneller irgendwo zu sein.
Artig zu sehen ist auch, wenn er ausgehen will und nicht soll, seinen Herren überlisten will, wie er ihn zu überschleichen sucht, tut, als wenn er nicht fort wolle, wenn man ihn nicht anschaut, plötzlich Reissaus nimmt oder mit füchsischer, überhündischer List an der Wand ein Bein aufhebt, als ob er pissen müsse, damit man ihn hinausjage, und wenn man ihn hinausjagt, augenblicklich, ohne zu pissen, zum Schlachthause oder zu einer von seinen Buhlen läuft, wenn man ihn aber nicht glaubt, endlich alle Hoffnung, entwischen zu können ,aufgibt, mit vollkommener Entsagung sich unter den Tisch legt und das Pissen lässt und vergißt. Er hat vollkommen wie ein Mensch gelogen.......
....Sein Gedächtnis ist in hohem Grade treu. Jahrelang bleibt ihm die Form und die Farbe seines Herrn in der Seele; jahrelang verliert er den Weg irgendwohin nicht. Man nennt den Hund schon wegen seines unterscheidenden Geruchssinnes gescheit: wie viel mehr wird man ihn wegen seines getreuen Gedächtnisses gescheit nennen,da man ja im täglichen Leben jedes Kind mit gutem Gedächtnis und selbst einen dummen Gelehrten, d. h. Vielwisser, für gescheit hält. Dieses Gedächtnis ist eine Hauptursache zur Gelehrigkeit des Pudels.
......Zwei Dinge kommen noch dazu: des Pudels Nachahmungssucht und sein Ehrgefühl, .... d.h. er denkt, wie ein Kind vom Vater, was dieser tut sei recht, er müsse oder dürfe es ebenfalls tun. Nimmt der Herr eine Kegelkugel, so nimmt er zwischen seine Pfoten auch eine, will sie anbeissen und plagt sich, wenn es ihm nicht gelingen will. Sucht jener Steine behufs wissenschaftlicher Behandlung, so sucht auch der Pudel Steine. Gräbt der Herr irgendwo , so fängt auch der Pudel mit den Pfoten zu graben an. Sitzt jener im Fenster, so springt auch dieser auf die Bank neben ihn, legt beide Tatzen aufs Gesimse und guckt ebenfalls in die schöne Aussicht hinaus. Er will auch einen Stock oder Korb tragen, weil er den Herrn oder die Köchin einen tragen sieht. ...
.... Es darf uns nicht wundernehmen, wenn viele Beobachter dem Pudel menschliche Verstandsgeschicklichkeit zuschreiben. Und wirklich ist kein Mensch in Beobachtungsumständen geschickter, keiner äußert seine Ungeduld, wenn man ihn nicht berücksichtigt, besser als der Pudel. Er prüft vorher sorgfältig, ehe er entscheidet, und er will sich nicht täuschen lassen und auch nicht ausgelacht werden.
Mit Prügeln kann man den Pudel nichts lehren; er ist dann nur ängstlich verwirrt, tut immer weniger, ganz wie ein Kind, was weinend lernen muss. Doch listig tut er bisweilen ganz dumm. Mit gutem kann man ihm sogar an Widriges gewöhnen ....
Der Pudel liebt die Freiheit ungemein. Er kommt und geht wieder. An der Kette ist kein Hund gern, am allerwenigsten der Pudel, er versteht, sich davon auf alle Weise loszumachen, und erprobt darin seine Künste, Stricke zu zerbeissen und zu zerreissen. Aus Schleifen zieht er den Kopf; er kann gerade so wie ein Mensch jauchzen, wenn er entkettet wird, und ganz unsinnig tun.
Von seinen Erfindungsgaben, um sich frei zu machen, erzählt Giebel eine anmutige Geschichte. „In einer der Hundesteuer unterworfenen, grossen Stadt fing der Abdecker, wie üblich, alle markenlosen Hunde ein und steckte Gross und Klein , Alt und Jung, Schön und Hässlich in einen weiten Schuppen, wo sie ihr unverschuldetes Unglück in den lautesten Jammergeheul beklagten. Der verständige Pudel allein saß ruhig, in sein Schicksal ergeben, im Winkel des Gefängnisses und sah bald, auf welche Weise die Tür geöffnet wurde. Der Weg zur Freiheit war ihm damit gezeigt. Er ging flugs an die Tür, zog mit der Pfote den Drücker nieder, öffnet die TÜR, und auf seinen Wink folgte die ganze Schar der Gefangenen. Im Sturmschritte und lärmend eilte sie, im Tore die Wache unter das Gewehr rufend, in die Stadt hinein, und jeder kehrte vergnügt zu seinem Herrn zurück."
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